Abstecher von Paris nach Arbon     Tagblatt vom 11. März 06,  Text und Bild Ruedi Steiner

Saxophonspektakel mit Jerry Bergonzi und Dick Oatts im KulturCinéma

       

Die zwei amerikanischen Weltklassemusiker Jerry Bergonzi am Tenorsaxophon und Dick Oatts am Altsaxo-phon begeisterten das Publi- kum im KulturCinéma mit virtuosem Saxophonspiel.

rudolf steiner

Eigentlich ist es einem Zufall zu verdanken, dass die beiden amerikanischen Weltklasse-Jazzmusiker Dick Oatts und Jerry Bergonzi zu diesem spektakulären Auftritt im KulturCinéma in Arbon kamen. Eingefädelt hatte dies Jazzmusiker Carlo Schöb, der Anfang Neunzigerjahre bei Jerry Bergonzi am Berkeley College of Music in Boston USA Unterricht nahm und mit Dick Oatts von gemeinsamen Konzertauftritten befreundet ist.

Paris – Arbon

So konnte er nach einem Telefonanruf des französischen Schlagzeugers Andrea Michelutti den zwischen zwei Auftritten in Paris liegenden Termin für diesen in Jazzkreisen sensationellen Auftritt in Arbon vereinbaren. Und die mehr als 60 Besucher und Besucherinnen – unter ihnen erfreulicherweise auch einige Arboner – wurden an diesem Abend nicht enttäuscht. Nicht nur optisch, sondern auch musikalisch von den beiden im Vordergrund spielenden blendenden Saxophonisten dominiert, boten die vier Musiker – am Kontrabass ergänzte der Amerikaner Dave Santoro das Quartett – ein Spektakel. Mit einer spielerischen Leichtigkeit und Souplesse, gepaart mit einer beeindruckenden Technik begeisterten sie das Publikum mit einer reichen Tonpalette.

 

Polar light   Tagblatt vom 15. Februar 05

R. Steiner

 

Text Konzert mit "Polar Light" im Kulturcinéma in Arbon von Freitagabend 11. Februar 2005

Rhythmen zwischen Himmel und Erde

von Rudolf Steiner

Ungewohnte experimentelle Klänge produzierten die beiden Musiker Mark J. Huber und Erich Tiefenthaler von “Polar Light” beim Konzert am Freitagabend im KulturCinéma in Arbon.

Ähnlich bei ganz speziellen athmosphärischen Voraussetzungen am Horizont auftauchenden Polarlichtern schwebten am Freitagabend im Arboner KulturCinéma die Rhythmen und Töne von Polar Light mystisch durch den Raum.

Nach Westen emigrierte Polarlichter

Die beiden Musiker Mark J. Huber und Erich Tiefenthaler von Polar Light sind im Verlaufe ihrer Musikerkarriere westwärts emigriert. Der Schlagzeuger und Perkussionist Mark J. Huber von Hagenwil nach Frauenfeld und der Vorarlberger Jazz- und Klassikflötist Erich Tiefenthaler von Feldkirch nach Muolen. Mit ihrer experimentellen Klangreise entführten sie aber das Publikum am Freitagabend auf einer aussergewöhnlichen Reise nicht in den Westen sondern zu den phantastischen Polarlichtern in den hohen Norden. Die beiden Musikerpersönlichkeiten boten zwei Stunden lang einen abwechslungsreichen Soundmix, der von den verschiedensten Musikstilen wie Folk, Ethno, Funk, Latin, Jazz und Klassik beeinflusst ist.

Independent Music in mehreren Gängen

Mit weiteren Zutaten frisch aufgemacht und angerührt und mit dem Einsatz elektronischer Hilfsmittel tischten sie dem Publikum eine kreative Melange Independent Music in verschiedenen Gängen auf. So verarbeiteten und bearbeiteten sie in ihren Experimentalstücken so verschiedene Themen wie “Godzillas Return”, “Invention” “Polar Light”, “Fangorn” aus dem Film “Herr der Ringe”, “Blong” und “Gangarco” und entführten die Zuhörer und Zuhörerinnen in ihren eigenen ausserirdischen und sphärischen Klangweltenkosmos.

Einmannduett mit der Grossbassflöte

So spielte Erich Tiefenthaler beispielsweise auf seiner Grossbassflöte - einem beinahe zwei Meter grossen Instrument, das es eigentlich gar nicht gibt, wie er schmunzelnd erklärte - solo ein Duett, indem er den gespielten und aufgezeichneten Ton fast wie ein Echo sofort wieder elektronisch einspielte. Aber auch Mark J. Huber stand den elektronischen Spielereien seines Partners in nichts nach. Intuitiv verstand er es, mit seinem Schlagzeug und den verschiedenen Perkussionsinstrumenten und Samplern feinfühlige und eindrückliche Klangteppiche und Soundcollagen zu weben und das Publikum darin wohlig einzuwickeln.

Leutswil, 13. Februar 2005

 

 

Artikel aus dem Tagblatt vom Montag 24.1.05

R. Steiner

Hip-Hop aus dem Basislager

Arboner Nachwuchsmusiker gastierten im Kulturcinema

Für einmal ertönten am Freitagabend im Kulturcinema ungewohnte Töne und Akkorde beim Rapkonzert der   jungen Arboner Hip-Hopper D-Wise und Basislager.

Rudolf Steiner

Schon auf dem Weg zum Kulturcinema an der Farbgasse deuteten die vielen parkierten Fahrräder beim Aufgang zum Musikatelier darauf hin, dass an diesem Abend ein anderes Publikum angelockt wurde.

Acht Hip-Hopper auf  Visite

Denn normalerweise begeistern im Arboner Insider-Jazzlokal Kulturcinema Jazzmusiker mit ihren schrägen und virtuosen Jazzakkorden und Improvisationen das Publikum. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Besuch» gastierten am Freitagabend die einheimischen Rapper und Hip-Hopper Basislager und D-Wise im Trendlokal. So prägten an diesem Abend neben den Rapsongs vor allem Schild- und Strickmützen - obwohl das Lokal ausreichend geheizt war - und die bis fast an die Knie heruntergerutschten und viel zu weiten Hosen die Szene.

Mangel an Mikrofonen

Aber auch bei der Organisation durch die Arboner Hip-Hopper lief nicht alles wie gewünscht, und so bestimmte an diesem Abend halt für einmal das Chaosprinzip den Programmablauf. Weil nur zwei Mikros zur Verfügung standen, rappten anstelle aller fünf Arboner - Fabian Monn, «Wicht» Silvan Bögli, Valentin Schneeberger, Patrick «Ludi» Kellenberger und Boris «Numa» Grünenfelder - abwechselnd nur zwei «Sprechsänger» gleichzeitig. Und anstelle von Livescratching an den Turntables durch die zwei DJs Andrea Rueger und Rosario Florio gabs etwas schale Dosenkost ab CD. Aber trotz all dieser Widerwärtigkeiten herrschte an diesem Abend im Kulturcinema eine aufgestellte und tolle Stimmung. Nach der Vorstellung der sechs MCs (Master of Ceremony) - neben Basislager legte auch noch Rapper D-Wise alias Daniel Wellauer eine Performance aufs Parkett - und der zwei DJs durch Sozialarbeiter Jürg Niggli und der anschliessenden Fragerunde übernahmen die DJs und MCs das Szepter.

Weiter Themenbereich

Bewaffnet und ausgerüstet mit obligater Schildmütze und Mikrofon starteten sie ihre akustisch monoton tönenden, aber überraschend vielschichtigen und interessanten Stakkatosprechgesänge zu verschiedenen Themenbereichen wie Umwelt, Konsum, Stress, Beruf, Liebe, Gesellschaft und zwischenmenschliche Beziehungen. Schade eigentlich nur, dass das an diesem Abend anvisierte Zielpublikum - die Stammbesucher im Kulturcinema - neben einigen Vätern und Müttern an einer Hand abzuzählen waren und die Hip-Hopper und Rapper deshalb ihre Botschaft fast nur an ihre treuen und traditionell enthusiastischen Fans vermitteln konnten.

«D-Wise»

Ich habe bereits mit 12 Jah- ren angefangen Gedichte zu schreiben. Mich beschäftigten vor allem Themen über die Pubertät, Liebe, Gesellschaft und Toleranz. Sei etwa vier Jahren trete ich öffentlich als Rapper auf, und zwar immer allein. In meinen Sprechgesängen versuche ich meine Gedanken und Erfahrungen einzubringen und ans Publikum zu vermitteln. Ich habe bisher zwei CDs im Eigenverlag veröffentlicht, die letzte heisst «Lo dir eis säge». Ein Geschäft habe ich aber damit nicht gemacht.

 

Valentin Schneeberger

Ich bin seit etwa acht Jahren an der Hip-Hop-Bewegung und am Rap interessiert. Zuerst haben wir einzeln und dann in kleinen Gruppen geübt. Seit etwa eineinhalb Jahren sind wir zusammen als Gruppe unter dem Namen «Basislager» aktiv und kreativ, die aus fünf MCs (Master of Ceremony) und zwei DJs besteht. Etwa einmal monatlich besuchen wir auch Rapkonzerte in der ganzen Schweiz. Hip-Hop ist eine Philosophie, der man sich mit Haut und Haaren verschreibt.

 

Bericht aus dem Tagblatt vom 04.12.04

Auftrieb - und weniger Defizit
 
Kulturcinema erhält einen Förderbeitrag der Stadt Arbon (II) 
 
Die Fachkommission für Kulturförderung Arbon hat dem Kulturcinema Arbon einen Beitrag gesprochen. «Damit kann das neue Jahr ruhiger angegangen werden», freut sich Claudia Lämmler, Präsidentin des Vereins Kultur Cinema Club. 
von Andrea Gerster 



«An einem Sommerabend sass ich alleine gemütlich im Garten», sagt Claudia Lämmler. Das war im Jahr 2002. Sie und ihre Familie wohnten damals seit drei Jahren in Arbon. 

Nähe zum Kino 
Vorher in der Stadt St. Gallen in unmittelbarer Nähe zu einem Kino wohnhaft gewesen, hatten sie das Haus zum Gutenberg in der Altstadt von Arbon gekauft. Das Pfarrhaus aus dem 17. Jahrhundert war im Laufe der Jahrhunderte um mehrere Anbauten erweitert worden und diente als Druckerei. Viel Raum war vorhanden, aber alles auch renovationsbedürftig. 

Nicht viel los 

Claudia Lämmler sass also im Garten und störte sich etwas daran, dass in Arbon nicht eben viel los ist. Sie hatte sich, als sie noch in St. Gallen wohnte, Arbon lebhafter vorgestellt. Nicht einmal ein Kino habe Arbon, sei ihr durch den Kopf gegangen. Claudia Lämmler, Malerin und Mutter von vier Kindern, unternimmt, wenn ihr etwas nicht passt, auch etwas dagegen. Seither hat Arbon ein Kino, dies in der ehemaligen Druckerei. Das Kulturcinema mit Restaurationsbetrieb führte Claudia Lämmler zusammen mit ihrem Mann Kaspar Lämmler ein Jahr lang in Eigenregie. Dann wurde der Verein Kultur Cinema Club gegründet, der heute rund 100 Mitglieder umfasst. 

Gemeinsam geniessen
 
Vorstandsmitglied Doris Curatolo sagt: «Mit anderen zusammen einen speziellen Film anzuschauen, dazu am Tisch zu sitzen, ein Glas Wein zu geniessen, ist einfach schön.» Studiofilme und Klassiker, die sonst nicht mehr im Kino zu sehen sind, werden hier gezeigt. «Es entsteht eine spezielle Atmosphäre, die Stimmung eines Films überträgt sich jeweils auf alle Anwesenden», sagt Claudia Lämmler. Und Lob gibt es für Vorstandsmitglied und Ehemann Kaspar Lämmler: «Er hat ein gutes Gespür in der Wahl der Filme.» 

Jazz im Kulturcinema
 
Immer freitags hat, von Ausnahmen abgesehen, das Kulturcinema an der Farbgasse geöffnet. Das Programm besteht mittlerweile nicht mehr nur aus Filmen. Musiker und Vorstandsmitglied Carlo Schöb organisiert Konzerte mit Tendenz Jazz und Improvisation. Gruppen mit lokalem Bezug sind hier oft anzutreffen. «Aber immer normale Lautstärke», lacht Carlo Schöb. Er als Musiker weiss, dass je lauter die Musik ist, umso mehr «gehen die Ohren zu». 

Kulturschaffende vorstellen
 
Ein dritter Programmschwerpunkt ist die Veranstaltungsreihe «Besuch». Hierbei werden Kulturschaffende, ihr Werdegang, ihr Wirken und ihr Hintergrund vorgestellt. Etwa die Regisseurin, der Trickfilmmacher, der Galerist, der Musiker oder die Kunstvermittlerin. Das Kulturcinema hat die Kulturszene in Arbon belebt und es in kurzer Zeit geschafft, sich auch über die Stadt hinaus einen Namen zu machen. 

www.kulturcinema.ch

stichwort Finanzen Das Team des Kulturcinema an der Farbgasse freut sich sehr über die Anerkennung ihrer Arbeit durch die Stadt Arbon. Was geschieht mit dem Beitrag? «Wir machen weiter», sagt Carlo Schöb. «Und weniger Defizit», fügt Doris Curatolo an. «Wir können die Künstler ordentlich bezahlen», sagt Claudia Lämmler, und das ist gleichzeitig ihr grösstes Anliegen. Denn Kultur soll auch etwas kosten dürfen. (age)

tagblatt 4.12.04

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last update: 04.12.2004